Weltweit stehen heute 444 Kernkraftwerke bzw. Atomkraftwerke in Betrieb (Stand 2008). Allein in Europa westlich des Urals gibt es rund 190 Anlagen. Zudem befinden sich gegenwärtig um die 40 Einheiten im Bau und für weitere rund 80 Anlagen liegen konkrete Projekte vor. Die Kernenergie bzw. Atomenergie ist eine bewährte Technologie mit Zukunft.
Kernenergie: global verankert
- Kernkraftwerke liefern einen Sechstel des Stroms
- Der globale Energiehunger nimmt zu
- Klima: Kernenergie ist Teil der Lösung
- EU und G8-Länder: Zukunft mit Kernenergie
- Russland und Asien setzen auf Kernenergie
- USA: zahlreiche Baugesuche
- Neubauten und Neubaupläne in Europa, Lateinamerika und Südafrika
- Radioaktive Abfälle: Schritt um Schritt zum Ziel
Kernkraftwerke liefern einen Sechstel des Stroms
Die Atomenergie deckt rund einen Sechstel des globalen Strombedarfs – fast ebensoviel wie die Wasserkraft. Ingesamt wird heute auf der Erde rund ein Drittel des Stroms CO2-arm produziert, die Hälfte davon aus Kernenergie. Die übrigen zwei Drittel stammen aus Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken.
In den letzten Jahrzehnten hat die Stromproduktion aus Kohle, Gas und Erdöl sehr stark zugenommen – und damit auch der Ausstoss des Treibhausgases CO2. Die Stromproduktion ist damit zu einem zentralen Problem der Klimapolitik geworden. Der Ausbau der Kernenergie und der erneuerbaren Energien kann mithelfen, den CO2-Ausstoss spürbar zu vermindern.
Ein Verzicht auf die Atomenergie und damit auf die Hälfte des heute umwelt- und klimaschonend erzeugten Stroms macht keinen Sinn – weder ökonomisch noch ökologisch.
Der globale Energiehunger nimmt zu
In letzter Zeit ist weltweit das Interesse an der Kernenergie wieder erwacht. Das hat handfeste Gründe:
- Die Atomkraftwerke (AKW) aus dem Boom der 1970er-Jahre nähern sich in absehbarer Zeit dem Ende ihrer wirtschaftlichen Betriebsdauer und müssen ersetzt werden.
- Die Nachfrage nach Strom nimmt weltweit laufend zu, besonders in bevölkerungsreichen Schwellenländern wie Brasilien, China oder Indien – aber auch in der Schweiz. Gemäss den Schätzungen der amerikanischen Energy Information Administration dürfte sich die weltweite Stromnachfrage bis 2025 praktisch verdoppeln.
- Die hohen Preise für Erdöl und Erdgas machen die Kernenergie wirtschaftlich noch attraktiver.
- Der Klimaschutz und die knapper werdenden Rohstoffe sprechen für die praktisch treibhausgasfreie, umweltschonende Kernenergie.
Klima: Kernenergie ist Teil der Lösung
Beim heutigen Stand der Nukleartechnik kann die Kernenergie allein das Klimaproblem nicht lösen. Der Verzicht auf die Atomenergie erschwert die Lösung jedoch massiv. Es ist sinnvoll, dass die Länder mit Erfahrung mit der Kernenergie diese anspruchsvolle Technologie weiter nutzen und damit den Handlungsspielraum der Länder der Dritten Welt bei der Nutzung der fossilen Energien erhöhen.
Aus diesem Grund führt der Weltklimarat der Uno (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) in seinem 2007 veröffentlichten vierten Lagebericht neben den erneuerbaren Energien ausdrücklich auch die Atomenergie als Schlüsseltechnologie zur Linderung des Klimaproblems auf.
Für mehr Informationen zum IPCC-Bericht klicken Sie bitte hier (Informationen in Englisch oder Französisch).
EU und G8-Länder: Zukunft mit Kernenergie
In der EU stammen gegenwärtig rund 30% des Stroms aus Atomkraftwerken. Im Januar 2007 hat sich die EU-Kommission klar für die Verlängerung der Betriebsdauer der bestehenden Kernkraftwerke sowie für Neubauten ausgesprochen. Und am 24. Oktober 2007 hat das Europäische Parlament mit deutlicher Mehrheit (509 gegen 153 Stimmen und 30 Enthaltungen) einen Bericht angenommen, der festhält, dass die Kernenergie für die Versorgungssicherheit der EU und den Klimaschutz unverzichtbar ist (weitere Informationen).
Am Gipfeltreffen der acht grössten Industrienationen (G8) Ende Juli 2008 in Japan haben sich Frankreich, Grossbritannien, Kanada, Italien, Japan, Russland und die USA für die künftige Nutzung der Kernenergie ausgesprochen. Einzig Deutschland will aus der Atomenergie aussteigen und seine 17 bestehenden Kernkraftwerke vorzeitig stilllegen.
Russland und Asien setzen auf Kernenergie
Gegenwärtig verfolgen vor allem Russland, Indien und China ehrgeizige Ausbaupläne für die Kernenergie. Ab 2012 will Russland jährlich zwei Neubauten in Betrieb nehmen, um mehr Erdgas zu guten Preisen nach Westeuropa exportieren zu können. Ende 2008 befanden sich in Russland sieben Atomkraftwerke im Bau, darunter ein Schneller Brüter und das weltweit erste schwimmende Kernkraftwerk mit zwei kleinen Reaktoren für die Strom- und Fernwärmeversorgung in der russischen Arktis.
In Ost- und Südasien stehen heute bereits mehr als 110 Kernkraftwerke in Betrieb, und rund zwei Dutzend Einheiten stehen im Bau. In China allein befanden sich Ende 2008 sieben Atomkraftwerke in der Bauphase und 16 weitere kurz vor Baubeginn. In Indien standen Ende 2008 sechs Kernkraftwerke im Bau, darunter ein Schneller Brüter. Acht zusätzliche Atomkraftwerke sind geplant.
Bemerkenswert ist auch, dass die Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die über grosse Erdölvorkommen verfügen und Mitglied der OPEC sind, für die Zukunft auf die Kernenergie setzt: Im Dezember 2009 haben die Emirate einen Vertag zum Bau von vier Kernkraftwerken à 1400 MW unterzeichnet.
USA: zahlreiche Baugesuche
In den USA hat der Kongress im Sommer 2005 ein neues Energiegesetz verabschiedet, das neben der Förderung der erneuerbaren Energien auch die Tür für neue Kernkraftwerke weit öffnet. Der Staat hat das Bewilligungsverfahren gestrafft und steht bei den ersten sechs neuen Kernkraftwerken für die Mehrkosten gerade, falls sich das Verfahren ohne Verschulden der Bauherrschaft verzögert.
Bis Ende 2008 haben die amerikanischen Stromversorgungsunternehmen Baugesuche für 26 neue Reaktorblöcke an 17 Standorten eingereicht und den Bau weiterer Einheiten angekündigt.
Neubauten und Neubaupläne in Europa, Lateinamerika und Südafrika
In Europa hat Rumänien im Jahr 2007 ein neues Kernkraftwerk in Betrieb genommen (Cernavoda-2, kanadischer Candu-Schwerwasserreaktor). Zwei weitere Einheiten sollen in den nächsten Jahren fertig gestellt werden.
In Finnland steht das fünfte Kernkraftwerk des Landes im Bau (Olkiluoto-3, europäischer Druckwasserreaktor EPR von Areva) und bereits sind die Planungsarbeiten für ein sechstes Kernkraftwerk im Gang. Finnland will damit seine Abhängigkeit von russischen Stromlieferungen verkleinern.
In Frankreich wurde Ende 2007 in Flamanville in der Normandie ebenfalls mit dem Bau eines EPR begonnen – dem Serienvorläufer für die Erneuerung des heutigen französischen Nuklearparks, der gegenwärtig 58 Atomkraftwerke umfasst. Der Bau eines weiteren EPR ist angekündigt.
In der Slowakei und in Bulgarien werden in den kommenden Jahren je zwei Kernkraftwerksblöcke mit russischen Druckwasserreaktoren fertig gebaut.
Anfang 2008 hat die britische Regierung entschieden, alternde Atomkraftwerke durch neue zu ersetzen.
Ernsthaft geprüft wird der Neubau von Kernkraftwerken in den baltischen Staaten, in Italien, in den Niederlanden, in Tschechien und in Polen.
In Belgien, Italien und Schweden wird die früher beschlossene Ausstiegspolitik rückgangig gemacht oder zumindest neu überdacht.
In Lateinamerika bzw. Afrika bereiten gegenwärtig Argentinien, Brasilien, Mexiko und Südafrika den weiteren Ausbau ihrer heutigen Kernkraftwerkparks vor.
Radioaktive Abfälle: Schritt um Schritt zum Ziel
Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle sind in den folgenden Ländern seit Jahren in Betrieb: Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Japan, Schweden, Spanien und USA.
Geologische Tiefenlager für hochradioaktive Abfälle werden dagegen erst benötigt, wenn sich diese Abfälle in Zwischenlagern genügend abkühlt haben. Gegenwärtig ist einzig in den USA ein militärisches Endlager für hochradioaktive Abfälle in Betrieb.
Umfassende Vorbereitungen für Tiefenlager für die hochradioaktiven Abfälle aus kommerziellen Kernkraftwerken sind in zahlreichen Ländern im Gange, so in Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Japan, Kanada, Schweden, der Schweiz, Spanien und den USA.
Die Standortwahl bereits getroffen haben Finnland (Standort Olkiluoto, 2001 vom finnischen Parlament bewilligt) und die USA (Standort Yucca Mountain in Nevada, 2001 vom Kongress bewilligt). In Schweden dürfte die Standortwahl demnächst erfolgen. Für mehr Informationen zur Entsorgung der radioaktiven Abfälle klicken Sie bitte hier und hier.
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