10.01.2000: Informationen Millennium

Informationen Millennium

«Datumssprung» ohne Probleme

Der Uebertritt ins Jahr 2000 stellte für das Kernkraftwerk Leibstadt wie prognostiziert kein Problem dar. KKL schenkte während zwei Jahren dem Thema seine Aufmerksamkeit und stellte 1998 eine spezielle Projektorganisation auf die Beine.

Die Aspekte Sicherheit und Verfügbarkeit standen für KKL beim Thema «Millennium» im Vordergrund, wobei sich die Oeffentlichkeit logischerweise primär für die Sicherheitsfrage interessierte. Weil beim Kraftwerksbau für die Sicherheitssysteme konventionelle Elektronik oder Relaissteuerungen zum Einsatz gelangten und dementsprechend für Sicherheitsfunktionen keine Rechner im Einsatz stehen, war die Sicherheit im KKL durch den «Datumssprung» nicht betroffen. Auch für die übrige Leittechnik und die Informatik stellte der Uebergang kein Problem dar.

Seit 1997 mit dem Thema beschäftigt

KKL begann 1997, das Jahr 2000-Problem technisch zu bearbeiten; dies mit gesundem Realitätssinn bezüglich Fehlerpotential und möglicher Auswirkungen. Rechnergestützte Systeme wurden aufgelistet. Wichtige Systeme wie Prozessrechner, speicherprogrammierbare Steuerungen, Zutrittskontroll- und Gleitzeitrechner sowie die zentralen Applikationen der Betriebsinformatik wurden untersucht und teilweise gründlich getestet. Bei Nichttauglichkeit oder bei feststellbaren Mängeln wurden Korrekturen eingeleitet und in einem Fall der Ersatz eines Systemes eingeleitet.

Die Problemstellung wurde 1998, nicht zuletzt aufgrund internationaler Erkenntnisse, sukzessive ausgeweitet, so namentlich auf weitere Datumswechsel (Schaltjahr im Jahr 2000, Uebergang vom 31.12.2000 auf den 1.1.2001) sowie auf sogenannte "embedded systems", also auf Geräte, die nach aussen verdeckt, irgendwelche interne Funktionen mit Rechnerbausteinen lösen. Beispiele dafür sind neuere Messgeräte oder Schreiber. Hinweis: Am 9.9.1999 und am 31.12.1999/1.1.2000 traten bei KKL keine Probleme auf.

Spezielle Projektorganisation

KKL entschied sich für eine interne, abteilungsübergreifende Projektorganisation. Zu jedem Objekt wurde ein Dossier mit allen zugehörigen Unterlagen erstellt. Die wesentlichen Informationen über die rund 200 katalogisierten Objekte wurden zudem auf einer Access-Datenbank festgehalten. Auf Wunsch der HSK wurden die Objekte in folgende Klassen eingestuft:

  • Klasse 1: Objekte mit direkter Einwirkung auf den Kraftwerksprozess. Diese Klasse umfasste 9 Objekte oder rund 5 Prozent aller Objekte.
  • Klasse 2: Objekte, welche zur Beherrschung von Störungen gebraucht werden. Diese Klasse umfasste 23 Objekte oder rund 10 Prozent.
  • Klasse 3: Objekte mit Wichtigkeit für die Instandhaltung oder mit wichtigen Daten. Diese Klasse umfasste 35 Objekte oder rund 20 Prozent.
  • Klasse 4: Weitere Objekte wie MS Word oder Faxgeräte. In diese Klasse fielen ca. 130 Objekte oder rund 65 Prozent.


Die Einteilung wurde durch zuständige Mitarbeiter vorgenommen und durch ein Reviewteam überprüft.

Systematische Bearbeitung hat sich gelohnt

Zu jedem Objekt wurde mit dem zuständigen Betreuer nach einer einheitlichen Checkliste ein Interview geführt. Die Resultate wurden in einem Stammblatt festgehalten. Für Objekte der Klasse 1-3 forderte KKL bei den Lieferanten eine Komformitätserklärung inklusive einer Dokumentation über die beim Lieferanten durchgeführten Tests ein. Je nach Umfang der Auskünfte wurden fallweise zusätzlich interne Tests durchgeführt. Jedes Objekt erhielt ein Zustandsattribut. Ein Objekt konnte beispielsweise als «heil», «möglicherweise befallen aber tolerierbar», «befallen und zu korrigieren» oder «im Test» erklärt werden. Ein Zustand war erst erreicht, wenn alle dazu erforder-lichen Schriftstücke im Dossier vorlagen. Letzte Tests an den von Lieferanten nachgelieferten Korrekturen oder zur Ueberprüfung von Lieferantenerklärungen fanden für prozessbezogene Objekte (Telefon- oder Brandmeldezentrale) während der Jahreshauptrevision im August 1999 und für einzelne Applikationen der Betriebsinformatik bis Ende November 1999 statt. Als einziges System musste das Gleitzeitsystem ersetzt werden. Zur Erreichung der Millenniums-Tauglichkeit wurden bei einigen Objekten kleinere Korrekturen und Nachbesserungen vorgenommen.

Problemlose Silvesternacht im Kraftwerk

Aufgrund internationaler Ratschläge sowie einer Auflage der HSK plante KKL vorsorglich Massnahmen für den 31. Dezember 1999, falls doch unerwartete Schwierigkeiten auftreten sollten. Arbeitsgruppen für die Bereiche Betrieb und Wache, Instandhaltung, Strahlenschutz und Chemie, Feuerwehr, Materialversorgung und Logistik, Notfallorganisation und kritische Jahr 2000-Systeme hatten mögliche Stör-Szenarien skizziert und Vorkehrungen getroffen:

  • Vorsorgliche Gegenmassnahmen wie Sichern von wichtigen Daten, Sicherstellung der Alarmierung bei Ausfall aller Kommunikationsmittel sowie Auffüllen aller Betriebsstoff- und Materiallager
  • Sicherstellung frühzeitiger Information über Probleme im Fernen Osten, welche für uns Konsequenzen haben könnten
  • Bereitstellung von Ersatzsystemen bei postulierten Ausfällen (beispielsweise für den rechnergestützten Materialbezug oder für wichtige Datenbankabfragen)
  • Anordnung von Funktionstests nach dem Jahr 2000-Uebergang, um verdeckte Mängel rechtzeitig zu erkennen (Funktionskontrolle Telefonie, Funk und Zutrittssystem)
  • Information und Schulung


Je eine weitere Schicht- und Wachgruppe sowie ein zweiter Pikettingenieur wurden aufgeboten. Betroffen waren auch die Pikett- und Notfallorganisation (eingeschlossen die Infostelle), die Feuerwehr und einige Informatiker. 49 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weilten zur mitternächtlichen Stunde im KKL, um nach genauer Checkliste vor dem Jahreswechsel wichtige Daten zu sichern und zum Jahresanfang den reibungslosen Übergang durch Funktionskontrollen zu bestätigen.
Bereits nach einer halben Stunde war die generalstabmässig geplante Aktion abgeschlossen, wonach 24 auf Pikett gestellte Mitarbeiter entwarnt wurden. Fazit für KKL: Der grosse Aufwand zur Erreichung der Millenniums-Tauglichkeit hat sich gelohnt.

Korrespondenzadresse:

Leo Erne
Kernkraftwerk Leibstadt
Tel. 056 267 71 11
Fax 056 267 81 00
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