10.08.2000: Regionales Mediengespräch, Projekt Leistungserhöhung vor erfolgreichem Abschluss

Regionales Mediengespräch, Projekt Leistungserhöhung vor erfolgreichem Abschluss

Die 16. Jahresrevision im Kernkraftwerk Leibstadt

Einleitende Bemerkung: Bilanzen und Vergleiche bergen ein Potenzial von Verwirrung. Kernkraftwerke warten üblicherweise zweimal im Jahr mit ihren Zahlen auf, am Ende des Geschäftsjahres (bei KKL identisch mit dem Kalenderjahr) und am Ende eines Betriebszyklus, der sich vom Frühherbst bis zum nächsten Sommer erstreckt. Deshalb liegen Indikatoren wie Arbeits- und Zeitverfügbarkeit oder Arbeitsausnutzung in der Jahresbilanz unter Berücksichtigung der Re-visionspause entsprechend tiefer.

Der 16. Betriebszyklus unseres Kraftwerks dauerte 333 Tage (Vorjahr 344) und zwar vom 2. September 1999 bis zum 31. Juli 2000. Die Anlage war 7'986 Stunden ohne Unterbruch am Netz (Vorjahr 8'303). Sie stellte ihre Zuverlässigkeit und Sicherheit erneut unter Beweis.

Höchstwert in der Nettoproduktion

Mit 8'565 Gigawattstunden (bisher 8'342 GWh im Zyklus 1998/1999) kann KKL einen Rekord vermelden. Die Produktionssteigerung steht in Zusammenhang mit der Leistungserhöhung. Ab dem 16. September 1999 wurde die Anlage auf der zweiten Stufe von 109 % betrieben. Am 17. März 2000 erfolgte eine weitere Erhöhung auf 109.6 %. Die elektrische Nettoleistung stieg damit auf 1122 Megawatt. Vom Projekt Leistungserhöhung ist in der Folge nochmals die Rede.

Die 8'565 Millionen Kilowattstunden CO2-freier Strom aus dem KKL, die im Verhältnis ihrer Beteiligung den elf Partnergesellschaften zufielen, entsprechen 17 % des Stromverbrauchs in der Schweiz. Vergleichsweise hätten sie gereicht zur Versorgung der Stadt Bern während zehn Jahren.

Dauerbetrieb ohne ungeplante Unterbrüche und ohne Sicherheitsprobleme

Die Produktions-Bestmarke ist auch eine Folge des unterbruchslosen sowie störungsarmen Betriebs, basierend auf der fachkundigen Instandhaltung und der sorgfältigen Betriebsführung. Im abgelaufenen Zyklus wurden acht Lastreduktionen vorgenommen:
Sechs Lastabsenkungen, um die Position der Steuerstäbe anzupassen oder für den Test von Isolationsventilen.
In einem Fall mussten die Flanschpartien an einem Hilfssystem der Dampfturbine nachgezogen werden.
Keine Probleme hatte KKL beim «berühmten» Jahreswechsel. Nach der vom Lastverteiler auf den 31. Dezember 1999 angeordneten Lastabsenkung auf 760 MW wurde die Leistung am 1. Januar 2000 kontinuierlich hochgefahren. Immerhin waren zusätzlich zum Schichtpersonal (16 Personen) weitere 49 Personen für einige Stunden vorsorglich anwesend.

Vom Betrieb auf voller Last ging KKL wie geplant am 8. Mai 2000 zum sogenannten Streckbetrieb mit täglich leicht sinkender Leistung (0,3 % ) über. Am Zyklusende lag die Nettoleistung noch bei 850 MW.

Störungsarm heisst anbetrachts der komplexen Technik nicht störungsfrei. Der Aufsichtsbehörde (Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen, HSK) waren im Zyklus 1999/2000 total 11 Vorkommnisse zu melden; zehn der sogenannten Klasse U (unklassiert, d.h. ohne Auswirkungen auf Umgebung oder Produktion) und ein Vorkommnis von öffentlichem Interesse (Aktion Greenpeace). Der Störanteil lag gemessen an Vollaststunden bei lediglich 0.01 %.

Seit Oktober 1999 stiegen wie damals im Monatsbericht der Werke gemeldet die Aktivitätswerte im Wasser des Reaktors leicht an; dies in Zusammenhang mit Brennstoff-Hüllrohrdefekten (weitere Ausführungen siehe Teil Revision 2000).

Radioaktive Abgaben weit unter den Limiten

Wiederum lagen die radioaktiven Abgaben im Jahre 1999 weit unter den behördlich vorgegebenen Grenzwerten; dies sowohl für den Luft- wie für den Wasserpfad. Die Belastung der Bevölkerung im Einzugsgebiet bewegte sich damit innerhalb der Schwankungsbreite der natürlichen Umgebungsstrahlung.

Die erneut tiefe Kollektivdosis für das eingesetzte Personal (Jahr 1999) ist eine Folge im Detail geplanter Arbeitsabläufe mit streng geplanten kurzen Aufenthalten in der kontrollierten Zone und des bereits erwähnten klaglosen Betriebs. Wieder Abtransport von Brennelementen

Nach einem Unterbruch von rund zwei Jahren wurden im Juni 2000 52 abgebrannte Brennelemente in die Wiederaufbereitungsanlage nach La Hague transportiert. Sowohl die HSK wie die verantwortlichen Stellen in Frankreich bestätigten die korrekte Abwicklung unter Einhaltung aller sicherheits- und strahlenschutztechnischen Vorschriften.

KKL hat weitere Abtransporte im Programm, sowohl zur Wiederaufarbeitung im Ausland wie ins Zwischenlager in Würenlingen. Ins ZWILAG sind auch Strassentransporte vorgesehen. Verbindliche Terminpläne befinden sich in Ausarbeitung.

15 Jahre erfolgreich in Betrieb

Noch einmal Erwähnung verdient der 15. Dezember 1999 mit dem Meilenstein des 15-jährigen Dauerbetriebs. Medien und Behörden wurde eine umfassende Bilanz aus technischer und wirtschaftlicher Sicht vorgelegt. Das Angebot von Erlebnistagen im Zeichen des kleinen Jubiläums löste bei der Bevölkerung in der Standortregion ein grosses Echo aus. An zwei Wochenenden im April 2000 weilten 2'800 Personen im KKL zu Gast.

Jahresrevision 2000

Am 31. Juli 2000, 20.00 Uhr, wurde der Generator vom Netz getrennt. Für die Jahresrevision sind 22 Tage (Vorjahr 26) eingeplant. Die Verkürzung des alljährlichen Stillstands ist ein erklärtes KKL-Ziel mit folgendem Hintergrund:

Reduktion der Strahlenbelastung des Personals
Gewinn von zusätzlichen Tagen für die Stromproduktion
Senkung der Kosten

Ohne bei der Qualität der Arbeiten Abstriche zu machen, wird die Verkürzung möglich durch:

Optimierte Arbeitsabläufe

Verschiebung von Arbeiten in die Phase des Produktionsbetriebs
Schaffung eines Langzeitprogrammes in der Instandhaltung von Systemen und Komponenten
Den Grossteil der Arbeiten stellen routinemässige Aktivitäten in Zusammenhang mit Wartung und Inspektionen dar. Die HSK beurteilt die Arbeiten und erteilt die Freigabe für das Wiederanfahren in knapp zwei Wochen nur, wenn sie sich vom guten Zustand der Anlage überzeugt hat.

Kontrolle und Wechsel der Brennelemente

Nach Abfahren und Abkühlen des Reaktors erfolgte die Prüfung der Brennelemente auf Dichtheit. An neun Brennelementen wurden undichte Brennstäbe identifiziert. Detailinspektionen sind im Gang.
Der Brennelementwechsel steht vor dem Abschluss; insgesamt werden 140 neue Brennelemente geladen, zusätzlich 12 Brennelemente, die früher im Einsatz standen. Damit verfügt der Leibstadt-Reaktor über jene Energie, welche die Voraussetzung für den Vollastbetrieb bis Anfang August 2001 darstellt.

Erfolgreiches Projekt Leistungserhöhung

Nach der Bewilligung des im Juli 1992 eingereichten Gesuchs zur Erhöhung der thermischen Leistung des Reaktors von 3188 MW auf 3600 MW durch den Bundesrat am 28. Oktober 1998 schritt KKL unverzüglich zur Umsetzung der Erhöhung in drei Schritten. Die Stufe 1 mit 106 % wurde am 31. Oktober 1998 erreicht. Am 16. September 1999 wurde die Stufe 2 mit 109 % in Angriff genommen und am 17. März 2000 legte das Werk weiter zu auf 109.6 %. Alle Zwischenschritte wurden genutzt, um das Anlageverhalten zu überprüfen und Systeme zu testen. In keinem Fall kam es zu irgendwelchen Ueberraschungen. Die Anlage zeigte sich auch bei der neuen Leistung ohne Probleme.

Der Hochdruckteil der Dampfturbine dagegen stiess mit dem Schluckvermögen an Grenzen. Zusammen mit dem Lieferanten Alstom (ABB) wird die anspruchsvolle Anpassungsarbeit (Modifikation der Leitschaufeln) durchgeführt. Danach sollte der für September 2000 geplante Schritt auf die 3. Stufe von 112 % vollziehbar sein.

Mit dem Abschluss des Projekts Leistungserhöhung und der neuen elektrischen Netto-Nennleistung von rund 1145 MW (thermisch 3515 MW) schreitet das Werk mit optimaler Kapazität in den freien Markt. Vorderhand wird die maximal bewilligte thermische Leistung von 3600 MW nicht ausgeschöpft. Bei dieser Gelegenheit darf wieder einmal hervorgehoben werden, dass die Leistungserhöhung auch zur Erfüllung der Ziele des Programms Energie 2000 des Bundesrates beiträgt.

Arbeit- und Auftraggeber

KKL beschäftigt inklusive Teilzeitmitarbeiter (Stand 31.7.2000) 438 Personen, 56 Frauen, 380 Männer und zwei Automatiker-Lehrlinge; darunter auch 61 Grenzgänger. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter beträgt 45 Jahre und die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit ist 12 Jahre. Die gegenwärtig 400 Vollzeitstellen werden bis Ende 2003 auf 380 reduziert, was mit Fluktuationen und Pensionierungen zu erreichen ist.

KKL ist ein moderner Arbeitgeber. Mit Einführung der Jahresarbeitszeit, mit Erneuerung des Leistungslohnsystems und mit intensivierten Aktivitäten für die Kaderschulung wurden wichtige Schritte in dieser Richtung vollzogen.

Der finanzielle Aufwand für das Personal beläuft sich auf rund 50 Mio. Franken. KKL ist für viele Menschen der Umgebung ein guter und verlässlicher Arbeitgeber, der für verschiedenste Berufsgattungen interessante Aufgaben bieten kann.

Für die Revision hat KKL mit rund 100 Firmen Verträge abgeschlossen. Diese Firmen bringen weitere 600 Personen ins Werk. Ihre Einsatzdauer bewegt sich zwischen einigen Tagen bis zu drei Wochen. Die Kosten und damit Geld, das in die Wirtschaft fliesst, betragen für die Fremdleistungen und Material ungefähr 15 Mio. Franken. Zusätz-lich enthält das Budget 2000 weitere 25 Mio. Franken für Material und Fremdleistungen, die Brennstoffkosten nicht eingerechnet. Fazit: KKL ist und bleibt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Mario Schönenberger, Betriebsdirektor
10. August 2000

KKL produziert mindestens bis zum Jahre 2045

Das Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) hält in seinem Visionspapier fest, dass das Werk noch mindestens bis zum Jahre 2045 betrieben werden soll. Sicherheit, Wirtschaftlichkeit sowie Akzeptanz in der Oeffentlichkeit sind dabei die Grundpfeiler. KKL will im Vergleich der direkt beeinflussbaren Kosten ins oberste Viertel der europäischen Nuklearstromproduzenten vorstossen. Unternehmerisches Denken, zielgerichtete Führung, ausgeprägtes Kostenbewusstsein und motivierte sowie gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Klima des Vertrauens, der Offenheit und der Toleranz sind die Grundpfeiler des angestrebten Erfolgs.

KKL verfolgt angesichts dieser Vision namentlich die politische Entwicklung zum Zeitpunkt der Marktöffnung mit Aufmerksamkeit, aber zum Teil auch mit Besorgnis.
Da im freien Markt allen Energieträger gleich lange Spiessen zugestanden werden sollen, schliesst sich KKL dem dreifachen Nein der Branche zu den Vorlagen über die Energieabgaben vom 24. September 2000 an. Mit Grundnorm, Solarinitiative und Förderabgabe würden nämlich einseitig die Kernenergie sowie Erdöl, Gas und Kohle mit bis zu 2.5 Rappen pro Kilowattstunde belastet.

KKL hat sich auch an der Vernehmlassung zum neuen Kernenergiegesetz (KEG) beteiligt. Wie bei der Wasserkraft wäre ein Förderartikel für die umweltfreundliche Kernenergie angebracht. Ihre Nutzung unterstützt massgeblich die internationalen Verpflichtungen der Schweiz für die Reduktion der CO2-Emmissionen. Der Beitrag der Kernenergie zur sauberen und nachhaltigen Energienutzung ist wissenschaftlich erhärtet. Nichts am Hut hat KKL mit den Plänen zu einer rein politisch motivierten vorzeitigen Stillegung mit wirtschaftlichen Schäden in mehrfacher Milliardenhöhe. Sicherheit und Wirtschaftlichkeit sollen die beiden Kriterien für den Betrieb der Anlagen sein und bleiben. In einem zukunftsorientierten Kernenergiegesetz sollte keine Einschränkung der Entscheidungsfreiheit für kommende Generationen auch im Hinblick auf neue Kernkraftwerke festgelegt werden. Das im Entwurf ins Auge gefasste Verbot der Wiederaufarbeitung wird deshalb von KKL abgelehnt. Gewünscht wird dagegen ein KEG, welches den ausgewiesenen Handlungsbedarf im Bereich Entsorgung beziehungsweise Endlagerung stützt.

KKL-Gestehungskosten zunehmend konkurrenzfähig

Das Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) produzierte 1999 mit Gestehungskosten von 6.6 Rp./kWh (Vorjahr 7.29 Rp./kWh). Für 2000 sind 5.95 Rp./kWh budgetiert. Sie setzen sich wie folgt zusammen: 1.72 Rp. Brennstoffkosten (Versorgung, Wiederaufbereitung, Rückstellung für Endlagerung), 0.96 Rp. Kapitalkosten, 1.58 Rp. Abschreibungen und Dotierung des Stillegungsfonds und 1.69 Rp. Betriebskosten. Das Ziel liegt bei 5 Rp./kWh innerhalb der nächsten fünf Jahre. Mit Einsparungen beim Brennstoff, Reduktion der Zinskosten, Verbesserungen in der Betriebsführung und durch die Straffung der Instandhaltungskosten konnten die Jahreskosten laufend reduziert werden. Durch die gleichzeitige Produktionssteigerung sanken die Kosten pro Kilowattstunde auf ein mit modernen Kraftwerken vergleichbares Mass.
Die ursprünglichen Schulden von 4.8 Milliarden Franken bei der Betriebsaufnahme konnten innerhalb von 15 Jahren auf 1.46 Milliarden Franken reduziert werden. Bis Ende 1999 wurden zudem 1.1 Milliarden Franken für Rückstellungen (Kernbrennstoff-Kreislauf/ Stillegung) für die nukleare Entsorgung bereitgestellt.

Grosse Beträge wurden 1999 an die öffentliche Hand entrichtet: Steuern Kanton und Gemeinden 4.9 Mio. Franken (Vorjahr 5.4 Mio. Franken), Steuern Bund 2.4 Mio. Franken (0.9 Mio. Franken), Gebühren Kanton und Gemeinden 4.4 Mio. Franken (4.4 Mio. Franken) und Gebühren Bund 3.8 Mio. Franken (3.9 Mio. Franken).

Korrespondenzadresse:

Leo Erne
Kernkraftwerk Leibstadt
Tel. 056 267 71 11
Fax 056 267 81 00
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