14.08.2003: Gesteigerte Produktion bei sicherem Betrieb und sinkenden Kosten

Regionales Mediengespräch vom 14. August 2003
Mario Schönenberger, Kraftwerksleiter

Vorbemerkung: Kernkraftwerke warten zweimal im Jahr mit Zahlen auf; am Ende des Geschäftsjahres (bei KKL identisch mit dem Kalenderjahr) und am Ende eines Betriebszyklus. Indikatoren wie Arbeits- und Zeitverfügbarkeit oder Arbeitsausnutzung liegen in der Jahresbilanz tiefer, weil sich die Revisionspause dort niederschlägt. Im folgenden Text ist von Zykluszahlen (August 2002/August 2003) die Rede.

Kernkraftwerk Leibstadt (KKL):

Gesteigerte Produktion bei sicherem Betrieb und sinkenden Kosten

Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz bilden die Grundpfeiler für die Existenz des Kernkraftwerks Leibstadt (KKL). Die Bilanz zum Zeitpunkt der 19. Jahresrevision fällt dazu ausgesprochen positiv aus.

Stichwort Sicherheit

Der 19. Betriebszyklus war der bisher längste. Er dauerte vom 20. August 2002 bis zum 2. August 2003, insgesamt 347 Tage (Vorjahr 340, zuvor längster Zyklus 98/99 mit 344 Tagen). Die Anlage produzierte vorbehaltlos sicher. Zum Betrieb folgende Hinweise:

  • Seit dem 26. August 2002 läuft das Werk auf der im Rahmen des Projekts Leistungserhöhung angestrebten endgültigen Leistungsstufe. Die aktuellen Kennzahlen (neue 100 Prozent) lauten: 3'600 Megawatt (MW) thermisch (zuvor 3'188 MW), 1165 MW elektrisch (1030 MW). Die Prognosen bezüglich Anlageverhalten, sprich sicherer Betrieb, bewahrheiteten sich ausnahmslos.
  • Vom Betrieb auf voller Last ging die Anlage wie vorausberechnet am 7. Juli 2003 zum Streckbetrieb mit täglich leicht sinkender Leistung (minus 0,3 %) über. Am Zyklusende lag die Nettoleistung noch bei 1010 MW.
  • Drei Lastabsenkungen wurden angesetzt, um die Position der Steuerstäbe anzupassen oder für den Test von Isolationsventilen in den Dampfleitungen zwischen Reaktor und Turbine. Weitere zwei Lastabsenkungen erfolgten bei einem Test und beim kurzzeitigen Ausfall einer Speisewasserpumpe.
  • Keine ungeplanten Abschaltungen (letzter Zyklus 2). Der Dauerbetrieb wurde lediglich am 27. August 2002 zur Durchführung des in Zusammenhang mit dem Projekt Leistungserhöhung notwendigen (und erfolgreich abgewickelten) Turbinentests für 1.6 Stunden unterbrochen.
  • Betrieb mit intaktem Kern ohne Hüllrohrdefekte (letzter Zyklus 1)
  • Der Störanteil betrug 0.03 % (1.75%); gemessen an den Volllaststunden. Die radioaktiven Abgaben lagen im Jahre 2002 fortgesetzt deutlich unter den behördlich vorgegebenen Grenzwerten, sowohl für den Luft- wie für den Wasserpfad. Die Belastung der Bevölkerung im Einzugsgebiet bewegte sich damit innerhalb der Schwankungsbreite der natürlichen Umgebungsstrahlung.
  • Die Kollektivdosis für das eingesetzte Personal erreichte im Jahr 2002 mit 0.443 Sievert (Sv) (Vorjahr 1.010) einen ausserordentlich tiefen Wert. Er wurde erreicht wegen der kurzen Revision 2002, mit einer Dauer von 16.7 Tagen.
  • Im März 2003 wurde der vierte Behälter mit 97 ausgedienten Brennelementen ins  Zwischenlager nach Würenlingen transportiert. Die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) bestätigte als Aufsichtsbehörde die korrekte Durchführung des Transportes unter Einhaltung der sicherheits- und strahlenschutztechnischen Vorschriften.

Stichwort Wirtschaftlichkeit

Die Anlage erfüllte nicht allein die hohen Ansprüche bezüglich Sicherheit, auch die Zuverlässigkeit liess nichts zu wünschen übrig wie folgenden "Bestwerte" belegen:

  • Höchstzahl an Betriebsstunden (am Netz) mit 8'330 Stunden,  bisheriges Bestresultat 8'231 Stunden Zyklus 2000/2001
  • Positive Auswirkung des Projekts Leistungserhöhung (ohne bei der Sicherheit Abstriche in Kauf nehmen zu müssen): Neuer Höchstwert der CO2-freien Produktion von Strom mit 9.4 Milliarden Kilowattstunden (kWh), bisher 9.1 Mia. kWh im Zyklus 2000/2001. Hier bleibt anzumerken, dass die Hitze während der Monate Mai, Juni und Juli während Tagen mit Temperaturen über 30 Grad zu Leistungsverlusten bis zu zehn Prozent führte (Auslegungswert des Kühlturms liegt bei 8 Grad). Der Gesamtverlust im Zeitraum bis zum Abfahren am 2. August 2003 bezifferte sich auf 56'980 MWh.


Die Auswirkungen der KKL-Leistungsstärke auf die Gestehungskosten sind beachtlich. Die am KKL beteiligten Partnerfirmen zahlten im Jahre 2002 für "Strom aus Leibstadt" 5.37 Rp. pro kWh (Vorjahr 5.69).  Für 2003 sind 5.39 Rp. budgetiert.

Stichwort Akzeptanz

Die «Herausforderung 18. Mai 2003» bewirkte unser volles Engagement. Mit grosser Genugtuung nahmen unsere 440 Mitarbeitenden vom Entscheid der Stimmberechtigten mit ihrem Doppel-Nein zu Ausstieg und Moratorium Kenntnis. Die Akzeptanz namentlich in der Standortregion ist enorm hoch und im Fall unserer Standortgemeinde Leibstadt mit 95.77 % Nein zum Ausstieg und 91.26 % zum Moratorium nachgerade überwältigend. Wir danken bei dieser Gelegenheit gerne den Stimmberechtigten respektive der breiten Bevölkerung für die gute Nachbarschaft. Unser Versprechen gilt unvermindert: Der sichere Betrieb erträgt keine Abstriche. Wir sind bereit, aus Erfahrungen weiter zu lernen, uns ständig zu verbessern, das Sicherheitsdenken stetig zu fördern und den Dialog mit der Öffentlichkeit wie bisher zu führen.

Jahresrevision 2003 dauert 23 Tage

Laut Programm dauert der Stillstand 23 Tage (Vorjahr 16.7 Tage). Der Generator wurde am 2. August 2003, 20.00 Uhr, vom Netz getrennt. Wie früher kommuniziert, liegt der langfristigen Planung der folgende Rhythmus zu Grunde: Wechsel zwischen Kurz- und Normalrevisionen mit einer Dauer von 16 respektive 22 Tagen; rund alle zehn Jahre eine Langrevision von gut 30 Tagen, was 2004 der Fall sein wird.
Im Arbeitsprogramm nehmen routinemässige Aktivitäten in Zusammenhang mit Wartung und Inspektionen eine zentrale Stellung ein. Die Länge der Revision wird durch die Arbeiten im nuklearen Teil der Anlage bestimmt. Dazu gehören das Öffnen des Reaktordruckgefässes, die visuellen Inspektionen der Einbauten des Reaktors, der Brennelementwechsel, der Ersatz von Steuerstäben und ihren Antrieben, die Überprüfung durch die IAEA, der Zusammenbau des Reaktors, das Füllen der  Systeme und die Tests zum Wiederanfahren.  Im Bereich der Turbine sind der Austausch beider Niederdruckvorwärmer, die Demontage und Inspektion einer Niederdruckturbine und der Austausch eines Pols des Hochspannungstransformators zu nennen. Insgesamt werden 132 neue Brennelemente und zusätzlich drei Brennelemente, die bereits früher im Einsatz standen, geladen. Damit verfügt der Leibstadt-Reaktor über jene Energie, welche die Voraussetzung für den Betrieb bis Anfang August 2004 darstellt.
Die Aufsichtsbehörde (HSK) verfolgt die Arbeiten, beurteilt die Ergebnisse und erteilt die Freigabe für das Wiederanfahren gegen Ende der Revision, wenn sie sich vom guten Zustand der Anlage und der Gewähr der Sicherheit für den nächsten Zyklus überzeugt hat.

Rund 800 Beschäftigte aus 110 in- und ausländische Firmen stehen für die Revision 2003 unter Vertrag. Die Einsatzdauer bewegt sich zwischen einigen Tagen bis zu drei Wochen. Für Fremdleistungen und Material sind Aufwendungen von rund 16.5 Mio. CHF budgetiert; Die KKL-Jahresausgaben 2003 für Betriebsaufwand und Investitionen betragen rund 70 Mio CHF, die Brennstoffkosten nicht eingerechnet.

Thema Flugzeugabsturz

Der Vorfall vom 11. September 2001 in den USA führte zur Diskussion über die Sicherheit der Kernkraftwerke in Zusammenhang mit Flugzeugabsturz respektive Terrorismus. Die HSK publizierte am 3. April 2003 ihren umfassenden Bericht. Die Erkenntnisse für KKL lauten wie folgt (Zitat): «Die Grenzlast-Untersuchungen für die neueren schweizerischen Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt zeigen, dass deren sicherheitsrelevante Gebäude einen Vollschutz gegen die Absturzfolgen eines modernen, voll betankten Langstrecken-Verkehrsflugzeugs selbst bei hoher Geschwindigkeit aufweisen. Damit verfügen beide Anlagen über einen deutlich höheren Schutzgrad, als aufgrund der behördlichen Forderungen bei ihrer Projektierung in den 70er Jahren verlangt wurde. Damals war ein Vollschutz gegen eine Boeing 707 mit Resttreibstoff und einer Geschwindigkeit von 370 km/h gefordert worden. Die probabilistischen Untersuchungen für ein Spektrum von möglichen Flugzeugtypen und Anfluggeschwindigkeiten weisen aus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Freisetzung von Radioaktivität aufgrund eines Flugzeugabsturzes sehr niedrig ist.»

Und zum Schluss noch dies...

  • Personalbestand: Der Sollbestand liegt bei 405 Vollzeitstellen. Die Fluktuationsrate betrug im letzten Jahr ein Prozent. Beim Betriebspersonal sind alle Vakanzen besetzt. Kurz gesagt: Wir bleiben auch personell am Netz!
  • Neue Geschäftsleitung: Seit dem 1. Januar 2003 üben die Nordostschweizerische Kraftwerke (NOK) im Auftrag der sieben Partnerfirmen das Mandat der KKL-Geschäftsführung aus (zuvor EGL)
  • Unterwegs in die Zukunft: 20 Jahre Betrieb im Dezember 2004, Vision Betrieb bis 2045
  • Informationszentrum: Unsere Ausstellung wird sanft umgestaltet und «a jour» gebracht.

KKL mit laufend tieferen Gestehungskosten

Die Gestehungskosten konnten von 5.69 Rp./kWh im Vorjahr auf 5.37 Rp./kWh im Jahre 2002 gesenkt werden. Die Zusammensetzung der Kosten: 1.29 Rp. Brennstoffkosten (Versorgung, Wiederaufbereitung, Rückstellung für Endlagerung), 1.22 Rp. Kapitalkosten, 1.35 Rp. Betriebskosten, 1.51 Rp. Abschreibungen. Für 2003 sind 5.39 Rp./kWh budgetiert. Das Ziel liegt bei 5 Rp./kWh bis zum Jahre 2005.
Dank Abnahme der Schulden, Reduktion der Zinskosten, abnehmenden Abschreibungsbedarf sinken die Kosten. Bei gleichzeitig  stetig hoher Produktion bewegen sich die Stromgestehungskosten  (Rp./kWh) auf ein konkurrenzfähiges Niveau.
Die ursprünglichen Fremdgeldlasten von 4.9 Mrd. CHF bei der Betriebsaufnahme konnten innerhalb von 19 Jahren auf 1.13 Mrd. CHF abgebaut werden. Die bis Ende 2002 gebildeten Rückstellungen belaufen sich auf 1.31 Mrd. CHF für die Stilllegung und für die nukleare Entsorgung.
Grosse Beträge wurden auch 2002 an die öffentliche Hand entrichtet: Steuern Kanton und Gemeinde 4.9 Mio. Franken, Steuern Bund 1.8 Mio. Franken, Gebühren Kanton und Gemeinde 4.4 Mio. Franken und Gebühren Bund 5.1 Mio. Franken.

Korrespondenzadresse:

Leo Erne
Kernkraftwerk Leibstadt
Tel. 056 267 71 11
Fax 056 267 81 00
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