22.04.2005: Generatorschaden führt zu Produktionspause bis September 2005 – Zuverlässige Stromversorgung dank Importen

Mediengespräch 22. April 2005: Zusammenfassung der Referate der Herren Mario Schönenberger, Kraftwerksleiter, und Dr. Manfred Thumann, Geschäftsführer KKL und CEO Kernenergie der NOK AG

Laut Kraftwerksleiter Mario Schönenberger nimmt der Ostermontag 2005 in der Geschichte des KKL einen Sonderplatz ein. Das Werk befand sich auf guter Fahrt mit Betrieb ohne jegliche Einschränkung. Dann sorgte am 28. März 2005 der Ausfall des Generators für einen in der zwanzigjährigen Geschichte erstmaligen Produktionsunterbruch von solch langer Dauer. Erst im September liefert «Leibstadt» wieder Strom.

Vorzeitig unterbrochene Betriebsphase

Der 21. Betriebszyklus des Kernkraftwerks Leibstadt mit Beginn am 21. September 2004 war ausgerichtet auf eine Produktion bis anfangs August 2005. Wie Mario Schönenberger an der Medienkonferenz vom 22. April 2005 berichtete, zeigte die Anlage bis zum 28. März 2005 abgesehen von einem kurzen Unterbruch am 1. Oktober 2004 (automatische Abschaltung nach einer Störung im Erregersystem des Generators) einen zuverlässigen und störungsfreien Betrieb. Statt bei den erwarteten rund 9 Milliarden Kilowattstunden (kWh) blieb der Zähler bei 5.1 Mrd. kWh stehen, weil aus den geplanten 315 Tagen nur deren 187 wurden. Der sichere Betrieb, letztlich das oberste Ziel, war zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt. Die Arbeitsverfügbarkeit der Anlage betrug 98.84 %.

Aus «Not» zwei Fliegen auf einen Schlag

Angesichts des sich abzeichnenden längeren Produktionsstops vollzogen die Verantwortlichen einen «Kraftakt», setzten alle Hebel in Bewegung, traten in Kontakt mit den Lieferfirmen und schrieben die Netzpläne neu. Bei den Aktivitäten der nun am 19. April 2005 begonnenen Jahresrevision ragen die Tätigkeiten im nuklearen Teil heraus mit dem Brennelementwechsel und dem Ersatz von 132 der 648 Brennelemente (ausgerichtet auf einen Betrieb bis Ende Juli 2006).
Rund 440 zusätzlich Beschäftigte aus 80 in- und ausländischen Firmen stehen zusammen mit den 455 KKL-Mitarbeitenden im Einsatz. Für Fremdleistungen und Material sind Aufwendungen von rund 13.4 Mio. Franken budgetiert.

GERDA - Das «Kind» hat einen Namen

«Generator-Erdschluss-Abschaltung» – sprich GERDA: Dieser Begriff beschäftigt Betreiber und Hersteller intensivst; beispielsweise mit Arbeitseinsätzen von rund 30 Personen am Schadensplatz rund um die Uhr. Bei aller Tragweite waren unverzüglich nach Eintritt des Vorfalls zwei Dinge klar: Einerseits waren weder Reaktor noch Turbine betroffen und anderseits hatte sich die Anlage auslegungsgemäss verhalten, namentlich auch das Schutzsystem des Generators.

Produktionsunterbruch dauert bis September 2005

Mario Schönenberger, KKL-Kraftwerksleiter, informierte auch über den Stand beim Generatorschaden. Nach der Freilegung der Schadensstelle am letzten Wochenende konnte der Umfang der notwendigen Reparatur konkreter, aber noch nicht abschliessend erfasst werden. Im Gegensatz zu ersten Annahmen kehrt KKL nicht Ende Mai, sondern anfangs September ans Netz zurück. Möglich ist auch eine Verzögerung bis gegen Ende September 2005, abhängig vom Ausmass der zu beschaffenden Ersatzteile.
Aufgrund einer Aufschmelzung von Eisen innerhalb der Pressplatte (Nicht-Antriebsseite) ist ihre Reparatur nicht mehr möglich. Die Konsequenzen schlagen sich im Zeitplan nieder. Die Pressplatte muss als Einzelstück erst hergestellt werden. Sollte auch der Zustand der zweiten Pressplatte unbefriedigend sein, würde ihre Auswechslung zum zweiten genannten Endtermin führen.

Der Ursache weiter auf der Spur

Wie bereits am 6. April 2005 vor den Medien dargestellt, traf der Vorfall KKL wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Im letzten August fand eine umfassende Inspektion des Generators durch den Hersteller statt. Der Bericht der Experten fiel rundum positiv aus und für den Betrieb in den nächsten vier Jahren wurden keine Einschränkungen gemacht.
Für die Schadensursache gibt es erste Indizien. Die «Zerlegung» des Stators läuft aber noch und die Einzelteile sind nicht untersucht. Entsprechend ist die endgültige Analyse ausstehend. Weitere Inspektionen an derzeit noch nicht zugänglichen Stellen und Materialuntersuchungen helfen weiter. Zum heutigen Zeitpunkt fallen als Schadensursache die Einwirkung von Fremdkörpern respektive Schäden an der Isolation der Wicklungen ausser Betracht. Die Untersuchungen gelten nun besonders der ursprünglichen Fertigungsweise sowie den damaligen Prüfmethoden.

Importe gewährleisten nun die Schweizer Stromversorgung

Nach den Worten von Dr. Manfred Thumann, Geschäftsführer KKL und CEO Kernenergie NOK, stellt der Betriebsunterbruch die Eigentümerfirmen eine doppelte Herausforderung dar. Einerseits steigen die Kosten, anderseits haben sie Ersatzstrom zu beschaffen. Das Kernkraftwerk Leibstadt ist ein sogenanntes Partnerwerk. Den sieben Eigentümer-Firmen steht je nach ihrer Beteiligung die Produktion zu. Sie tragen im gleichen Verhältnis die Jahreskosten für Betrieb und Revision. Diese Kosten sind praktisch eine feste Grösse und somit auch zu bezahlen, wenn die Stromquelle versiegt. Sie belaufen sich pro Tag auf 1.3 Millionen Schweizer Franken. Eingerechnet sind da kürzere Unterbrüche im Betrieb und die Jahresrevision. Ein mehrmonatiger Unterbruch schafft aber eine neue Ausgangslage.

«Direkter» Schaden wohl eher tief

Die Jahreskosten werden für die in Leibstadt-Beteiligten durch den Generatorschaden im Jahre 2005 nur geringfügig sich erhöhen, da dieser gegen «Maschinenbruch» bei einem Selbstbehalt von 500'000 Schweizer Franken, versichert ist. Ausserdem fallen aufgrund des Produktionsunterbruches tiefere Brennstoffkosten an. Der primäre Schaden fällt somit letztlich wohl eher relativ gering aus. Eine weitere schadensdämpfende Massnahme ist die vorgezogene Jahresrevision, die mit 14 Produktionstagen budgetiert war.

Stromzukäufe sind unvermeidlich

Der Produktionsausfall in Leibstadt zwingt gemäss Dr. Manfred Thumann zu Ersatzbeschaffung. Jede am KKL beteiligte Firma wird hier, abhängig von Stromlieferverträgen mit ihren Kunden und den sonstigen Produktionsmöglichkeiten, eine eigene Strategie entwickeln. Auch das Wetter wird eine wesentliche Komponente bei der Höhe von Zusatzkäufen spielen. Setzt die Schneeschmelze ein, wird der Wasseranteil an der Produktion steigen. Der Verbrauch andererseits orientiert sich stark an den Temperaturen im Sommer. Im Ausnahmesommer 2003 waren er und die Strompreise am Markt ungewöhnlich hoch, in all den anderen Jahren sind die Preise in den Sommermonaten eher moderat. Wie bei allen anderen, vergleichbaren Schweizer Kraftwerken existiert keine Versicherung für den Betriebsunterbruch respektive Produktionsausfall.

Korrespondenzadresse:

Leo Erne
Leiter Information
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