06.04.2005: Generatorschaden führt zu Produktionsunterbruch bis Ende Mai - Versorgungssicherheit dennoch gewährleistet

(kkl) Zum zweiten Mal in seiner 20jährigen Geschichte steht das Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) ungeplant länger still. Am 28. März 2005 hat der Generator seinen Dienst versagt. Aktuellen Abschätzungen zur Folge ist laut Kraftwerksleiter Mario Schönenberger von einem Unterbruch von rund neun Wochen auszugehen. Das ausgedehnte Zeitfenster veranlasst die Betreiber, die für August 2005 geplante Jahresrevision vorzuverlegen. Gemäss Geschäftsführer Dr. Manfred Thumann, CEO Kernenergie der NOK, ist die Versorgungssicherheit der Schweiz dank Importen nicht gefährdet.

Das Kernkraftwerk Leibstadt steht im 21. Betriebszyklus mit Start am 21. September 2004. Abgesehen von einem kurzen ungeplanten Betriebsunterbruch an 1. Oktober 2004 zeigte die Anlage einen ruhigen, störungsfreien Betrieb ohne Brennelementschaden. Dank den tiefen Temperaturen im vergangenen Winter produzierte das Werk mit hohem Wirkungsgrad CO2-freien Strom. Am 28. März 2005, am Tag des Ereignisses, lief das Werk ohne irgendwelche Einschränkungen auf voller Last.

Sicherheit des Werks stets gewährleistet

Drei Anlagenteile bilden die Kernstücke eines thermischen Kraftwerks: Die Wärmequelle (im Falle von KKL ein Reaktor mit Uran als Brennstoff), die Turbine mit der Umwandlung von thermischer in mechanische Energie und schliesslich der Generator als Veredler in die elektrische Energie. Nach der Schutzabschaltung des Generators (nach einem Erdschluss) und der Turbine wurde die Leistung des Reaktors automatisch reduziert. Der Reaktor blieb weiter in Betrieb, bis rund zwölf Stunden nach der Störung der Entscheid zum Abfahren folgte. Die Sicherheit der Anlage war bei diesem Ereignis zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt.

Keine Hinweise auf Unregelmässigkeiten

Die Schadensursache kann nach den Worten von Kraftwerksleiter Mario Schönenberger noch nicht bestimmt werden. Dazu müssen Teile der Wicklung des Generators demontiert werden, damit die Schadensstelle besser zugänglich wird. Sichtbar sind Brandspuren an Metallteilen am Eisenpaket hinter dem Wickelkopf auf der Nicht-Antriebsseite.
Der Schaden trat unerwartet und ohne Vorzeichen ein. Dem Generator schenken die Werksverantwortlichen rund um die Uhr besondere «Zuwendung» mit konsequenter Überwachung zu. Jährlich werden zudem Inspektionen und Prüfungen während der Abstellung im Rahmen eines Mehrjahresprogramms durch Experten des Herstellers vorgenommen. Im Sommer 2004 wurde der Generator sogar geöffnet und der Rotor ausgefahren und ausgewechselt, um in einer Zehnjahreswartung den Generator umfassend auf seinen Zustand zu prüfen. Die Spezialisten beurteilten den Zustand des Generators als sehr gut und machten keinerlei Einschränkungen für die nächsten Jahre Betrieb.

Reparatur erzwingt lange Pause

Nach umfassenden Begehungen und vertieften Analysen durch die Herstellerfirma besteht nun Klarheit. Als Folge der Erhitzung ist an einer Stelle das Statoreisen aufgeschmolzen. Feine Eisenperlen sind breit verteilt im Stator aufzufinden. Diese haben zu Sekundärschäden geführt.
Für die Reparatur wird mit einem zeitlichen Aufwand von gut 60 Tagen gerechnet. Der Reparatur schliessen sich Montage und Inbetriebnahme mit erprobten Abläufen an. Mit der Aufnahme der Stromproduktion ist nach aktuellem Zeitplan frühestens Ende Mai 2005 zu rechnen.

Möglichkeit zur vorgezogenen Jahresrevision

Für den kommenden August ist wie jedes Jahr eine Revision mit Brennelementwechsel geplant, heuer mit einer Dauer von 14 Tagen. Bei der sich nun abzeichnenden Länge des Produktionsunterbruchs stellte sich sofort die Frage, ob die Jahrsrevision vorzuziehen ist. Nach verschiedenen Abklärungen ist der Entscheid gefallen, mit dem Brennstoffwechsel am 19. April 2005 zu beginnen.

Versorgungssicherheit nicht gefährdet

KKL-Geschäftsführer Dr. Manfred Thumann zeigte an der Medienkonferenz vom 06. April 2005 auf, dass der Produktionsausfall zu keinen Problemen bei der Stromversorgung führt, weil Importe möglich sind, die Schneeschmelze bevorsteht und während der Feiertage im Mai der Stromverbrauch aus Erfahrung tiefer liegt.
Die täglichen Kosten des KKL mit und ohne Stromproduktion belaufen sich auf 1.47 Millionen Schweizer Franken. Der Gesamtwert des Produktionsausfalls ist direkt proportional zur Anzahl der Ausfalltage und der Differenz zwischen aktuellem Marktwert und Produktionskosten. Gegenüber den Produktionskosten von 4.92 Rappen pro Kilowattstunde dürfte diese 2005 nun auf 5.59 Rappen zu liegen kommen.
Kosten und Art der Ersatzbeschaffung können für die Eigentümer nicht allgemein angegeben werden. Sie hängen von der Verfügbarkeit von Speicherkapazität sowie der jeweiligen Handelsstrategie und der Lieferverträge ab. Die NOK (Nordostschweizerische Kraftwerke AG) beispielsweise kaufen gegenwärtig rund 60 Prozent an der Börse zu und produzieren rund 40 Prozent mit Wasser aus den Speicherkraftwerken.

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